Kurz gesagt
- Sechs Themenfelder für meinen Kanal, ich nenne sie Streams. Zu jedem gibt es geprüfte Studien als Orientierung. Dazu ein Querschnittsthema: Nervensystem-Regulation.
- Die Studien sind Inspiration und Rückendeckung, kein Lesepensum. Lies dich langsam ein, die Kurzzusammenfassungen auf termeh-sources.pages.dev reichen für den Anfang.
- Meine Arbeitsregel: Das Thema benennt das Gefühl, die Forschung erklärt den Mechanismus dahinter. Wir behaupten nichts, was wir nicht belegen können.
- Starte mit Grenzen und Emotionaler Souveränität, da ist der Bedarf am größten. Bei Fragen komm direkt zu mir.
1. Worum es geht
Ich publiziere auf Deutsch als @termeh_psychologie. Mein Publikum: Frauen zwischen 25 und 44, überwiegend aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Viele kennen Therapie aus eigener Erfahrung und haben ängstliche Beziehungsmuster. Aus den Kommentaren unter meinen Posts weiß ich, wer da liest: die ängstliche Deuterin (sie will wissen: ist es A oder B, und was schreibe ich ihm jetzt), die erschöpfte Über-Geberin (sie gibt zu viel und will Grenzen lernen) und die therapieerfahrene Peer-Leserin (sie will es genau wissen, mit Quellen).
Bevor du in die Themen einsteigst, drei Begriffe, die ich hier benutze:
- Ein Stream ist ein Themenfeld, aus dem viele einzelne Posts entstehen können. Kein fertiger Plan, eher eine Richtung, an der wir uns orientieren.
- Die Quellen sind wissenschaftliche Studien. Sie sind unsere Inspiration und unsere Absicherung: Wenn wir etwas behaupten, steht dahinter eine Studie. Du musst keine davon komplett lesen. Zu jeder gibt es eine Kurzzusammenfassung (Abstract), und die reicht am Anfang völlig.
- Mein Korpus ist meine interne Wissensdatenbank. Da liegt alles, was ich bisher veröffentlicht habe, als durchsuchbare Seiten.
Fachbegriffe erkläre ich beim ersten Auftauchen in einer Klammer. Wenn trotzdem etwas unklar ist: einfach fragen, dafür bin ich da.
2. Die sechs Streams
Der Wechsel von „ich muss gefallen“ zu „ich wähle aus“. Wer sich beim Dating dauernd beweisen muss, sollte das als Warnsignal lesen dürfen. Studien dazu: Wer weniger Interesse zeigt, hat mehr Macht in der Beziehung, das ist seit Jahrzehnten untersucht (Sprecher et al. 2006). Manche Menschen halten sich Ex-Partner oder Bekanntschaften als Option warm, die Forschung nennt das Backburner (Dibble & Drouin 2014). Und ob jemand bereit für eine Beziehung ist, hängt oft mehr vom Zeitpunkt ab als von der Person (Hadden et al. 2018). Carousel-Idee: „Backburner: 5 Zeichen, dass du ein Platzhalter bist.“ Video-Recherche: Warum derselbe Mann der Nächsten nach einem Jahr einen Antrag macht. Antwort: Timing, nicht dein Wert.
Das Kernthema der Über-Geberin, und dazu habe ich bisher am wenigsten veröffentlicht. Es geht um People-Pleasing (allen gefallen wollen, auf eigene Kosten), um Wut als nützliches Signal und um Grenzen, die klar, ruhig und konsequent sind. Studien dazu: Gesunder Egoismus ist ein echtes Konzept der Psychologie, kein Instagram-Spruch (Kaufman & Jauk 2020, PDF frei lesbar). Ständiges Geben ohne Selbstfürsorge macht messbar krank, die Forschung nennt das Unmitigated Communion (Helgeson & Fritz 1998). Und viele Frauen lernen früh, eigene Bedürfnisse zu verschweigen, Self-Silencing genannt (Jack 1991, Buch). Carousel-Idee: „Maslow nannte es 1943 gesunden Egoismus“, 6 Slides von Begriff bis Alltagstest. Video-Recherche: Der unausgesprochene Vertrag. Was gibst du, das nie vereinbart wurde?
Warum wir an dem hängen, was jemand sein könnte, statt an dem, was er ist. Die Forschung dazu ist alt und solide: Je mehr Zeit und Energie wir in eine Beziehung gesteckt haben, desto schwerer kommen wir raus, auch wenn sie uns nicht guttut (Rusbult 1980; Arkes & Blumer 1985, Stichwort Sunk Cost: die investierten Jahre halten fest). Was wir uns selbst hart erarbeiten, bewerten wir höher, das zeigt schon ein Experiment von 1959 (Aronson & Mills) und später der IKEA-Effekt (Norton et al. 2012). Für das rauschhafte Verliebtsein in ein Potenzial gibt es ein eigenes Wort: Limerenz (Tennov 1979). Und für das Trauern um eine Beziehung, die nie ganz da war: uneindeutiger Verlust (Boss 1999). Carousel-Idee: „Sunk-Cost-Liebe: bleiben wegen der Jahre, die du schon gegeben hast.“ Video-Recherche: Limerenz. Das Wort für süchtig nach Potenzial.
Mein stärkstes Terrain: das Nervensystem beruhigen, bevor man handelt. Neu dazu kommt die Verhaltensebene, also das, was ängstliche Bindung im Alltag tut. Zwei Muster stehen im Zentrum: Protestverhalten (anrufen, doppelt texten, Eifersucht provozieren, alles um Nähe zu erzwingen) und Rückversicherungs-Suche (immer wieder fragen, ob noch alles okay ist). Studien dazu: die Bindungsforschung erklärt beide Muster (Mikulincer & Shaver 2012, frei lesbar), ständiges Rückversichern kann Partner auf Dauer wegschieben (Joiner & Metalsky 2001; Stewart & Harkness 2015, frei lesbar), und hinter vielem steckt, dass Ungewissheit schwer auszuhalten ist (Carleton 2016, frei lesbar). Carousel-Idee: „Ängstliches Gehirn vs. sicheres Gehirn lesen dieselbe unbeantwortete Nachricht.“ Video-Recherche: Warum Rückversicherung kurz beruhigt und lang das Problem füttert.
Hier habe ich schon viel veröffentlicht, wir vertiefen mit den Theorien dahinter. Drei Ideen lohnen sich: Selbstwert, der an Bedingungen hängt („ich bin okay, wenn er antwortet“), heißt in der Forschung kontingenter Selbstwert (Crocker & Wolfe 2001). Selbstwert funktioniert wie eine Anzeige dafür, wie zugehörig wir uns fühlen, die Soziometer-Theorie (Leary et al. 1995). Und Menschen übernehmen mit der Zeit das Bild, das wir selbst von uns zeichnen, Selbstverifikation genannt (Swann 1983). Dazu passt der Befund, dass wir am anziehendsten wirken, wenn wir in etwas versunken sind, das wir gut können (Flow, Csikszentmihalyi). Carousel-Idee: „Soziometer: dein Selbstwert ist eine Tankanzeige.“ Video-Recherche: Warum er anfängt, deine Unsicherheiten zu glauben (Selbstverifikation).
Ein neues Themenfeld, mit dem ich testen will, ob ich auch Mütter erreiche. Dazu habe ich bisher fast nichts veröffentlicht, deshalb fangen wir klein an: 2 bis 3 Stücke, mehr nur, wenn es ankommt. Studien dazu: Mutterwerden ist ein Identitätsumbau, vergleichbar mit der Pubertät, die Forschung nennt es Matreszenz (als Einstieg reicht der TED-Talk von Alexandra Sacks). Das unsichtbare Dran-denken-Müssen im Haushalt heißt Mental Load (Daminger 2019). Und die „mach ich lieber schnell selbst“-Falle, die Väter draußen hält, heißt Maternal Gatekeeping (Allen & Hawkins 1999). Carousel-Idee: „Mental Load: warum du müde bist. Und es nicht der Abwasch ist.“
3. Querschnitt: Nervensystem-Regulation
Das Thema zieht sich durch alle Streams und ist mein Markenzeichen. Sechs neue Quellen sind geprüft und verlinkt, alle frei lesbar:
- Langsames Atmen / Box-Atmung (4 Sekunden ein, 4 halten, 4 aus, 4 halten). Ein Überblick über die Forschung zu langsamem Atmen: Zaccaro et al. 2018. Zur Box-Atmung habe ich schon Content, das Paper liefert den Studienrahmen.
- Vagusnerv & HRV. Der Vagusnerv ist der Beruhigungsnerv des Körpers, HRV (Herzratenvariabilität) ist der gängige Messwert dafür, wie gut er arbeitet: Laborde et al. 2017.
- taVNS-Geräte, z. B. NeuroSym. Geräte, die den Vagusnerv über die Haut stimulieren, meist am Ohr. Was daran untersucht ist und was nicht, steht im Forschungskonsens dazu: Farmer et al. 2021. Wichtig für uns: Studienlage zeigen, kein Produktversprechen.
- Magnesium & Stress. Was Supplemente bei Angst und Stress wirklich können: Boyle et al. 2017. Beim Mineralstoff-Thema bleiben wir strikt bei dieser Studienlage.
- Morgenlicht, Cortisol, zirkadianer Rhythmus (die innere Uhr). Licht am Morgen stellt sie, das beeinflusst Schlaf und Stimmung: Blume et al. 2019. Für die morgendliche Cortisol-Kurve gibt es Mess-Leitlinien: Stalder et al. 2016.
Formatideen: Carousel „Morgenlicht vor Kaffee: was die Cortisol-Kurve damit zu tun hat“ · Carousel „Box-Atmung in 4 Slides, und was dabei im Vagusnerv passiert“ · Video-Recherche „taVNS-Geräte zwischen Hype und Studienlage“.
4. Zum Weiterlesen
- Bibliografie mit allen 25 Quellen und Kurzzusammenfassungen: termeh-sources.pages.dev
- Frei lesbare Volltexte für den Einstieg: Mikulincer & Shaver 2012 (PMC), Stewart & Harkness 2015 (PMC), Kaufman & Jauk 2020 (PDF), Zaccaro et al. 2018
- In meinem Korpus (intern, bei Fragen melden): Seiten zu box-atmung, vagusnerv-aktivierung, nervensystem-alarmbereitschaft-dating, gesunder-egoismus, excessive-reassurance-seeking
- TED-Talk Alexandra Sacks zu Matreszenz